{"id":22844,"date":"2022-07-15T11:23:12","date_gmt":"2022-07-15T11:23:12","guid":{"rendered":"https:\/\/henrykskarzynski.pl\/?p=22844"},"modified":"2022-07-22T12:58:56","modified_gmt":"2022-07-22T12:58:56","slug":"die-polnische-schule-der-ohrchirurgie-ist-30-jahre-alt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/henrykskarzynski.pl\/?p=22844&lang=de","title":{"rendered":"Die polnische Schule der Ohrchirurgie ist 30 Jahre alt"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Im Jahr 2022 feiert das Institut f\u00fcr Physiologie und Pathologie des Geh\u00f6rs das 30. Jubil\u00e4um der ersten Implantation eines Cochlea-Implantates in Polen bei einer geh\u00f6rlosen Person und das 20. Jubil\u00e4um der weltweit ersten Implantation eines Cochlea-Implantates bei partiellem H\u00f6rverlust. Die beiden von Prof. Henryk Skar\u017cy\u0144ski durchgef\u00fchrten Eingriffe bildeten Wendepunkte der Ohrchirurgie und Meilensteine des Fortschritts in der Behandlung von H\u00f6rst\u00f6rungen. Im laufenden Jahr verstreichen 25 Jahre, als das weltweit erste Konzept der Erhaltung der pr\u00e4operativen H\u00f6rreste und der Innenohrstrukturen in New York pr\u00e4sentiert wurde. In der klinischen Praxis war das mit der Erweiterung der damaligen Indikationen f\u00fcr die Implantation von Cochlea-Implantaten um Hunderttausende von Patienten verbunden. Die damals entwickelte und pr\u00e4sentierte chirurgische Strategie er\u00f6ffnete neue Chancen und M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Anwendung von Cochlea-Implantaten bei v\u00f6llig geh\u00f6rlosen Menschen. <\/strong><\/h4>\n<p>Die Pionieroperation wurde von Henryk Skar\u017cy\u0144ski \u2013 der damals Dozent war \u2013 an der Medizinischen Akademie Warschau durchgef\u00fchrt. Die polnische Hochschule schloss sich damit einer engen Gruppe hochspezialisierter Zentren in der Welt an, in denen Implantate\u00a0 das Geh\u00f6r geh\u00f6rloser Personen wiederherstellen. Diese Operation war auch der erste Schritt zum Starten des Programms der Cochlea-Implantate in Polen, das Tausende geh\u00f6rloser und schwerh\u00f6riger Patienten in den kommenden Jahren in Anspruch nehmen konnten. Der f\u00fcr die polnischen Ohrchirurgie bahnbrechende Eingriff wurde in der Presse breit angesprochen, und das Thema der operativen Behandlung der Taubheit wurde durch die wichtigsten Medien der damaligen Zeit \u2013 Nachrichtensendungen im Fernsehen und Informationsservices in der Presse und im Rundfunk aufgegriffen.<\/p>\n<p><em>&#8211; Die Jubil\u00e4en bieten eine Gelegenheit zu Erinnerungen, aber auch zu Reflexionen, Schlussfolgerungen und weiteren Tr\u00e4umen. Die Zusammenstellung dessen, was ich mit meinem Team zusammen geschafft habe, gibt mir eine gro\u00dfe Zufriedenheit und \u00dcberzeugung, dass wir die Zeit nicht verschwendet haben, und vor allem das Gef\u00fchl, dass tiefe H\u00f6rfehler, die vor 30 Jahren die Chancen der Patienten auf ein normales Funktionieren durchstrichen, heute kein Hindernis f\u00fcr ein effektives Lernen, Arbeiten, Entwickeln k\u00fcnstlerischer Passionen darstellen<\/em> \u2013 wie Prof. Henryk Skar\u017cy\u0144ski sagt. &#8211; <em>Ich wiederhole es oft gerne: Dank dem Fortschritt in der Medizin k\u00f6nnen wir fast jeder Person mit H\u00f6rbehinderung helfen, und polnische Patienten sind die weltweit ersten bzw. einige von den weltweit ersten, die Zugang zu den modernsten medizinischen Technologien und Methoden der Behandlung der Schwerh\u00f6rigkeit haben. Ich bin Arzt aus Berufung und deshalb freut mich jede erfolgreiche Operation, auch wenn ich in den letzten 30 Jahren bereits Tausende von H\u00f6rimplantaten implantierte und ca. 220 Tsd. andere chirurgische Prozeduren durchf\u00fchrte.\u00a0 Ich sch\u00f6pfe meine Kraft aus Freude der Personen, die ein gutes Geh\u00f6r durch einen Eingriff im Weltzentrum f\u00fcr Geh\u00f6r wiedergewinnen und dadurch effektiv kommunizieren und Kontakte zu anderen haben k\u00f6nnen, wodurch sie eine gr\u00f6\u00dfere Chance auf ein gl\u00fcckliches, erfolgreiches Leben haben. Wie Wieslaw Bator, mein erster Patient mit einem Cochlea-Implantat in Polen sagt: \u201eDie F\u00e4higkeit, andere Menschen zu verstehen und eigene Gef\u00fchle auszudr\u00fccken, bildet einen riesigen Reichtum\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Bis 2002 war eine Cochlea-Implantation weltweit nur im Falle tiefer H\u00f6rsch\u00e4den bzw. beim vollst\u00e4ndigen H\u00f6rverlust empfohlen. Keine M\u00f6glichkeit einer wirksamen Behandlung hatte damals eine zahlreiche Gruppe von Patienten mit partiellem H\u00f6rverlust. Diese sehr spezielle Gruppe von Patienten hat ein intaktes bzw. normales Geh\u00f6r im niedrigen Frequenzbereich, aber das H\u00f6ren hoher Frequenzen ist beeintr\u00e4chtigt. In der Praxis bedeutet dies, dass diese Menschen eine gute Tonwahrnehmung haben, aber nicht immer in der Lage sind, die Sprache zu verstehen; sie verstehen in der Regel nur etwa 5 bis 15% der Informationen, die sie auf dem akustischen Weg erhalten, und zwar bei guten akustischen Bedingungen. Prof. Henryk Skar\u017cy\u0144ski war entschlossen, diesen Patienten auch die M\u00f6glichkeit zu geben, gut zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Nachdem er 1992 das Programm der Cochlea-Implantate eingef\u00fchrt und mehr als 1500 Implantationen bei Kindern und Erwachsenen durchgef\u00fchrt hatte, betrachtete er das Problem des partiellen H\u00f6rverlustes und die Erhaltung der vorhandenen H\u00f6rreste aus einer anderen Perspektive als zuvor. <em>\u2013 Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass sich das derzeitige Verst\u00e4ndnis der partiellen Taubheit etwas von dem bisherigen unterscheidet und dass sich die Kriterien f\u00fcr die Wahl akustischer und elektrischer Methoden, die H\u00f6rger\u00e4te, Mittel- und Innenohrimplantate bieten, \u00e4ndern und erg\u00e4nzen k\u00f6nnen <\/em>\u2013 wie sich Prof. H. Skar\u017cy\u0144ski erinnert. &#8211; <em>Dieser neue Ansatz gab uns die M\u00f6glichkeit, Patienten zu behandeln, die von klassischen H\u00f6rger\u00e4ten nicht profitierten und damals keine Indikation f\u00fcr die Implantation eines Cochlea-Implantates hatten<\/em>.<em> Dieser Ansatz bedeutete, dass es dank der entwickelten ohrchirurgischen Strategie real m\u00f6glich war, \u00fcber Behandlung mit den neuesten Technologien der Cochlea-Implantate bei Personen mit H\u00f6rbefunden zu sprechen, die auf eine partielle Taubheit hinweisen.<\/em><\/p>\n<p>Seit 1997 f\u00fchrte Prof. H. Skar\u017cy\u0144ski Studien und regelm\u00e4\u00dfige Operationen bei Patienten mit tiefer Schwerh\u00f6rigkeit durch, die die Erhaltung der pr\u00e4operativen H\u00f6rreste im niedrigen Frequenzbereich nach der Implantation erm\u00f6glichten. Die Studienergebnisse zeigten, dass es eine korrekte Implantation der Elektrode des Implantats in das Innenohr erm\u00f6glicht, dass vorhandene H\u00f6rreste sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern erhalten bleiben.<\/p>\n<p><em>&#8211; Meine langj\u00e4hrige Arbeit an dem Problem des partiellen H\u00f6rverlustes f\u00fchrte am 12. Juli 2002 zur Durchf\u00fchrung der weltweit ersten Implantation eines Cochlea-Implantates bei einer Patientin mit einer solchen H\u00f6rst\u00f6rung und somit zum Start des weltweit ersten Programms zur Behandlung der partiellen Taubheit <\/em>&#8211; wie sich Prof. H. Skar\u017cy\u0144ski erinnert &#8211; <em>Diese erste Patientin war Kasia, die nur Ger\u00e4usche im niedrigen Frequenzbereich h\u00f6rte, w\u00e4hrend die mittleren und hohen Frequenzen f\u00fcr sie \u00fcberhaupt nicht wahrnehmbar waren. Als Psychologiestudentin verstand sie genau, welche Risiken sie eingeht, wenn sie sich f\u00fcr diese bahnbrechende Therapie entscheidet. Ohne eine richtige Einstellung der Patientin w\u00e4re es f\u00fcr mich schwierig, mich f\u00fcr eine Operation zu entscheiden, die vor mir noch niemand auf der Welt durchgef\u00fchrt hatte.<\/em><\/p>\n<p>Die Erarbeitung einer chirurgischen Prozedur, die das Problem der Behandlung des partiellen H\u00f6rverlustes l\u00f6ste, er\u00f6ffnete uns ganz neue Entwicklungsperspektiven. Denn alternde, insbesondere westliche Gesellschaften haben immer gr\u00f6\u00dfere Probleme mit verschiedenen Typen des partiellen H\u00f6rverlustes. Eine der Grundlagen der Entwicklung der modernen\u00a0 Gesellschaften machen doch der Fortschritt in zwischenmenschlichen Kontakten sowie der Zugang zu und Austausch von Informationen aus. W\u00e4hrend die manuellen Kompetenzen am Anfang des 20. Jahrhunderts zu ca. 95% f\u00fcr das Funktionieren und die Position einer Person in der Gesellschaft entscheidend waren, so ist es heute die Kommunikationsf\u00e4higkeit, die zu mehr als 94% daf\u00fcr entscheidend ist. Und ein gutes Geh\u00f6r ist f\u00fcr sie unentbehrlich. Die Entwicklung eines Behandlungsverfahrens f\u00fcr den partiellen H\u00f6rverlust bot somit eine Chance, Millionen von Menschen zu helfen, die aufgrund verschiedener Typen von H\u00f6rst\u00f6rungen nicht normal in der modernen Welt funktionieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>\u201eDer Anfang war sehr bescheiden, in einem kleinen Labor, in dem sich nur 8 Arbeitspl\u00e4tze zum \u00dcben an Pr\u00e4paraten befanden<\/em> &#8211; wie Prof. H. Skar\u017cy\u0144ski sagt. &#8211; <em>Heute verf\u00fcgen wir im Weltzentrum f\u00fcr Geh\u00f6r am Institut f\u00fcr Physiologie und Pathologie des Geh\u00f6rs \u00fcber das weltweit beste und gr\u00f6\u00dfte Labor zum \u00dcben chirurgischer Techniken. Es ist uns gelungen, das Bildungszentrum mit der einmaligen Arbeitsstelle mit 30 ohr- und rhinochirurgischen Arbeitspl\u00e4tzen zu erbauen, die mit modernen Ger\u00e4ten f\u00fcr das \u00dcben an anatomischen Pr\u00e4paraten und Computersimulatoren ausgestattet sind. W\u00e4hrend der 64. Ausgabe des Window Approach Workshop (WAW) f\u00fchrte ich zusammen mit dem Team des Weltzentrums f\u00fcr Geh\u00f6r \u00fcber 1300 ohrchirurgische Schauoperationen durch und pr\u00e4sentierte damit Behandlungsmethoden f\u00fcr verschiedene Arten der Taubheit, einschlie\u00dflich des partiellen H\u00f6rverlustes mit Erhaltung der nicht besch\u00e4digten Innenohrstrukturen.<\/em><\/p>\n<p>In vielen F\u00e4llen waren es bahnbrechende originale chirurgische L\u00f6sungen f\u00fcr die Behandlung neuer Zielgruppen von Patienten unterschiedlichen Alters. Vor Ort im Weltzentrum f\u00fcr Geh\u00f6r wurden die Operationen von mehr als 8.000 Spezialisten aus allen Kontinenten beobachtet.<\/p>\n<p>Aktuell befinden sich \u00fcber 12,5\u00a0Tsd. H\u00f6rimplantattr\u00e4ger in Betreuung der Spezialisten aus Kajetany. Bis heute wurden fast 4,5 Mio. Untersuchungen und Beratungen und \u00fcber 600 Tsd. chirurgische Prozeduren am Institut durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 2022 feiert das Institut f\u00fcr Physiologie und Pathologie des Geh\u00f6rs das 30. Jubil\u00e4um der ersten Implantation eines Cochlea-Implantates in Polen bei einer geh\u00f6rlosen Person und das 20. Jubil\u00e4um der weltweit ersten Implantation eines Cochlea-Implantates bei partiellem H\u00f6rverlust. 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