{"id":21140,"date":"2020-07-14T09:39:26","date_gmt":"2020-07-14T09:39:26","guid":{"rendered":"https:\/\/henrykskarzynski.pl\/?p=21140"},"modified":"2020-07-27T13:21:09","modified_gmt":"2020-07-27T13:21:09","slug":"juli-ist-ein-aussergewoehnlicher-jubilaeumsmonat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/henrykskarzynski.pl\/?p=21140&lang=de","title":{"rendered":"Juli ist ein au\u00dfergew\u00f6hnlicher Jubil\u00e4umsmonat"},"content":{"rendered":"<h3>Auf Juli fallen sehr wichtige Jubil\u00e4en in der Geschichte des Institutes f\u00fcr Physiologie und Patholo-gie des Geh\u00f6rs. F\u00fcr Prof. Henryk Skar\u017cy\u0144ski und sein Team bedeutete Juli immer keine Erholungs-zeit, sondern harte Arbeit. 2020 werden zwei Jubil\u00e4en gefeiert: Das 18. Jubil\u00e4um der Durchf\u00fch-rung der weltweit ersten geh\u00f6rwiederherstellenden Operation bei einem Patienten mit partiel-lem H\u00f6rverlust durch Prof. Henryk Skar\u017cy\u0144ski und das 28. Jubil\u00e4um der ersten Implantation eines Cochlea-Implantates bei einer geh\u00f6rlosen Person durch Prof. Henryk Skar\u017cy\u0144ski. Am 16. Juli 1992 erhielt ein erwachsener Patient das in Polen erste Cochlea-Implantat, ein Tag sp\u00e4ter \u2013 ein Kind. Mit den bahnbrechenden Eingriffen er\u00f6ffnete Prof. Skar\u017cy\u0144ski ein neues Kapitel in der Geschich-te der Ohrchirurgie.<\/h3>\n<p>\u2013 An diesem sehr hei\u00dfen Julitag erschien ich vor 7 Uhr bei der Arbeit, um fr\u00fcher in den OP-Trakt zu gehen. Wir wollten die Operation in das benachbarte Geb\u00e4ude in einen kleinen Seminarraum \u00fcber-tragen und sie dort aufnehmen, deshalb wollte ich pr\u00fcfen, ob alles darauf vorbereitet ist \u2013 wie sich Prof. Henryk Skar\u017cy\u0144ski erinnert. \u2013 Vergessen Sie nicht, dass es damals noch keine Online-\u00dcbertragungen im Internet gab und es nicht so selbstverst\u00e4ndlich war, wie die Aufnahme der Welt gezeigt werden kann. Auf dem Weg zur\u00fcck ins Klinikum begegnete ich einem Fernsehteam im Fahrstuhl. Wie es sich sp\u00e4ter herausstellte, war es eins von sieben. Jemand aus dem Team fragte, ob heute DIESE Operation stattfindet und ob ich wei\u00df, wo sie den Dozenten Skar\u017cy\u0144ski finden k\u00f6n-nen. Nach dem Verlassen des Aufzugs fand dann sofort das erste Interview statt. Ich war mir da-mals dessen nicht bewusst, dass es ein historischer Moment ist, dass alle auf einen Erfolg hoffen, dass so viel nicht nur von meinen F\u00e4higkeiten, sondern auch einfach vom Gl\u00fcck abh\u00e4ngt, das man bei jeder Operation haben muss.<\/p>\n<p>Nach der Pionieroperation im Jahr 1992 startete in Polen das Programm der Behandlung der Geh\u00f6r-losigkeit mit Cochlea-Implantaten. Eben f\u00fcr die Zwecke des Programms entstand das neue Diagno-se-, Therapie- und Rehabilitationszentrum f\u00fcr Geh\u00f6rlose und Schwerh\u00f6rige \u201eCochlear Center\u201d aus der Initiative von Prof. Skar\u017cy\u0144ski, das den Patienten eine umfassende Betreuung bieten sollte. Das Zentrum wurde feierlich am 14. Juli 1993 von der polnischen Ministerpr\u00e4sidentin Hanna Suchocka er\u00f6ffnet.<br \/>\nBereits nach einigen Wochen wurden einige zehn Patienten t\u00e4glich ins Zentrum aufgenommen und ca. 200 fach\u00e4rztliche Untersuchungen durchgef\u00fchrt. Das war jedoch nur ein Tropfen auf den hei\u00dfen Stein. Von Anfang an betrieb das &#8222;Cochlear Center&#8221; auch wissenschaftliche T\u00e4tigkeit. Zwei Monate nach der Er\u00f6ffnung fand die 1. Internationale Konferenz \u00fcber Cochlea-Implantate in Polen statt.<\/p>\n<p>Am 12. Juli 2002 f\u00fchrte Prof. Henryk Skar\u017cy\u0144ski die weltweit erste Implantation eines Cochlea-Implantates bei einer erwachsenen Person mit partiellem H\u00f6rverlust durch. Dadurch startete er das neue Programm der Behandlung des partiellen H\u00f6rverlustes.<br \/>\nLange Zeit war die Meinung in den medizinischen Kreisen verbreitet, dass die Implantation einer Elektrode mit der irreversiblen Besch\u00e4digung der Cochlea gleichbedeutend ist. Deshalb glaubte man, dass die Behandlung von Personen mit partiellem H\u00f6rverlust unm\u00f6glich ist. Denn die Implan-tation w\u00fcrde diesen Teil der Cochlea (der f\u00fcr die Wahrnehmung von Niederfrequenzt\u00f6nen ver-antwortlich ist) zerst\u00f6ren, der normal arbeitet, und damit dem Patienten die H\u00f6rreste wegneh-men. Die von Prof. Skar\u017cy\u0144ski entwickelte chirurgische Technik des Zugangs zum Innenohr durch das Schneckenfenster erwies sich als eine sehr wirksame Methode, die die H\u00f6rreste im Niederfre-quenzbereich erhalten lie\u00df. Es wurde auch bef\u00fcrchtet, dass es zur Integration der Information kommt, die die Geh\u00f6rzentren des zentralen Nervensystems durch die gleichzeitige elektrische und akustische Stimulation des H\u00f6rrezeptors bekommen. In der Otologie herrschte die \u00dcberzeugung vor, dass die Verbindung der zwei Arten des Geh\u00f6rs unm\u00f6glich ist. Dank der Anwendung einer speziellen Prozedur der Einstellung des Sprachprozessors durch die klinischen Ingenieure des Insti-tutes wurde eine solche Integration erreichbar. Die bahnbrechende Operation wurde von Prof. Skar\u017cy\u0144ski live im Internet \u00fcbertragen. Ihren Verlauf beobachteten Tausende von Spezialisten aus der ganzen Welt. Der erfolgreiche Eingriff wurde zum Anfang eines breit aufgefassten, internatio-nalen Programms der Behandlung des partiellen H\u00f6rverlusts (Partial Deafness Treatment, PDT).<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie vor 10 Jahren wurde Prof. H. Skar\u017cy\u0144ski von Kameras begleitet, die den Eingriff live ins Internet und in den Konferenzsaal \u00fcbertragen haben, wo Journalisten von Radio- und Fernseh-nachrichtensendungen sowie Pressejournalisten den Verlauf der Operation verfolgten.<\/p>\n<p>&#8211; Es war der erste k\u00fchne Versuch davon, was wir heute Telemedizin, Tele-Ohrchirurgie nennen \u2013 wie sich Prof. Skar\u017cy\u0144ski erinnert. &#8211; Damals bedeutete die Vorbereitung einer solchen \u00dcbertragung, Bew\u00e4ltigung der Daten\u00fcbertragungsrate, verschiedener technischer Elemente eine richtige Her-ausforderung. Zum ersten Mal sagte ich zu mir so: \u201eWenn das nicht gelingt, sollen die Leute welt-weit wissen, warum es nicht gelungen ist. Und wenn das doch gelingt, dann kann ich bis Ende mei-nes Lebens sagen: Ich f\u00fchrte die weltweit erste Operation bei partiellem H\u00f6rverlust, wo der Patient einen Teil der T\u00f6ne h\u00f6rte und das Ohr im anderen Bereich nicht intakt war, vor den Augen der An-deren durch\u201c \u2013 f\u00fcgt Prof. Skar\u017cy\u0144ski hinzu.<\/p>\n<p>Bis 2002 wurden die Implantationen eines Cochlea-Implantates ausschlie\u00dflich bei tiefen H\u00f6rsch\u00e4-den oder vollem H\u00f6rverlust durchgef\u00fchrt. Eine zahlreiche Gruppe von Patienten mit partiellem H\u00f6rverlust hatte weiterhin keine M\u00f6glichkeit einer wirksamen Behandlung.<\/p>\n<p>Heute bildet das Weltzentrum f\u00fcr Geh\u00f6r am Institut f\u00fcr Physiologie und Pathologie des Geh\u00f6rs die unbestreitbar weltweit f\u00fchrende Kapazit\u00e4t auf dem Gebiet der HNO-Heilkunde, Audiologie und Phoniatrie. Im Institut wurden bisher ca. 500 Tsd. chirurgische Prozeduren durchgef\u00fchrt. Polnische Patienten sind die weltweit ersten bzw. einige von den weltweit ersten, die Zugang zu den mo-dernsten medizinischen Technologien haben. Die Einrichtung in Kajetany ist die weltweit f\u00fchrende Kapazit\u00e4t auf dem Gebiet der HNO-Implantologie hinsichtlich der Anzahl der durchgef\u00fchrten ge-h\u00f6rverbessernden Prozeduren (j\u00e4hrlich sind das ca. 15.000 Eingriffe). Von den Spezialisten des Weltzentrums f\u00fcr Geh\u00f6r werden heute knapp 10 Tsd. Cochlea-Implantat-Tr\u00e4ger betreut.<br \/>\nHeute ist das Institut auch ein Prestige-Didaktik- und Schulungszentrum, wohin \u00c4rzte aus allen Kon-tinenten kommen, um hier chirurgische Techniken und medizinische Prozeduren zu lernen, die von mir erarbeitet wurden. Kajetany ist der weltweit beste Ort f\u00fcr die \u00dcbung chirurgischer Techniken. Uns ist gelungen, das Bildungszentrum mit der einmaligen Arbeitsstelle mit 30 ohr- und rhinochirur-gischen Arbeitspl\u00e4tzen zu erbauen, die mit modernen Ger\u00e4ten f\u00fcr das \u00dcben an anatomischen Pr\u00e4-paraten und Computersimulatoren ausgestattet sind. Das Institut setzt seit einigen Jahren ein Pro-gramm der Reihenuntersuchungen der Bev\u00f6lkerung in Bezug auf Fr\u00fcherkennung von H\u00f6rst\u00f6run-gen bei polnischen Kindern um, die mit der Schulbildung erst beginnen.<br \/>\nSeit einigen Jahren werden die Jubil\u00e4umsfeier mit dem Internationalen Musikfestival &#8222;Schnecken-rhythmen&#8221; f\u00fcr Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit H\u00f6rst\u00f6rungen verbunden. In diesem Jahr wird das Festival unter dem Motto \u201eKlangf\u00fclle auf der anderen Seite des Spiegels\u201c veranstaltet und durch Wissenschafts- und Musikworkshops sowie die 6. Internationale Wissenschaftliche Konfe-renz \u201eMusik in der H\u00f6rentwicklung des Menschen\u201c begleitet.<br \/>\n&#8211; Aufgrund der epidemiologischen Situation im In- und Ausland hat das diesj\u00e4hrige Festival einen anderen Charakter \u2013 wie der Ideengeber und Organisator der Veranstaltung sagt. &#8211; Ich glaube aber tief daran, dass es trotz seiner ver\u00e4nderten Form viele wichtige Kenntnisse und einmalige Musiker-lebnisse liefert. Das Festival wird traditionell durch Treffen mit Experten begleitet; das Programm der diesj\u00e4hrigen Workshops umfasst solche Bereiche wie Musiktherapie, Kunsttherapie oder Stimmproduktion. Zum Schluss will ich Sie wie immer zum Galakonzert mit Beteiligung von speziel-len G\u00e4sten und Preistr\u00e4gern der vorherigen Ausgabe einladen. Lassen wir dies eine Zeit sein, in der wir wieder sehen und h\u00f6ren, dass das m\u00f6glich ist, was uns unm\u00f6glich schien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf Juli fallen sehr wichtige Jubil\u00e4en in der Geschichte des Institutes f\u00fcr Physiologie und Patholo-gie des Geh\u00f6rs. F\u00fcr Prof. Henryk Skar\u017cy\u0144ski und sein Team bedeutete Juli immer keine Erholungs-zeit, sondern harte Arbeit. 2020 werden zwei Jubil\u00e4en gefeiert: Das 18. 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