{"id":19660,"date":"2017-11-12T08:35:13","date_gmt":"2017-11-12T08:35:13","guid":{"rendered":"https:\/\/henrykskarzynski.pl\/?p=19660"},"modified":"2019-02-12T08:46:10","modified_gmt":"2019-02-12T08:46:10","slug":"hearring-meeting-und-hearing-and-structure-preservation-workshop","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/henrykskarzynski.pl\/?p=19660&lang=de","title":{"rendered":"Hearring Meeting und Hearing and Structure Preservation Workshop"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Hearring ist ein Netz internationaler Zentren, die die gr\u00f6\u00dfte Erfahrung in der Implantation haben und die h\u00f6chste Anzahl von Implantattr\u00e4gern betreuen. Die Gr\u00fcndung der Gruppe wurde durch das Institut f\u00fcr Physiologie und Pathologie des Geh\u00f6rs zusammen mit vier Zentren &#8211; aus Wien, Innsbruck, W\u00fcrzburg und Frankfurt initiiert. Die Mitgliedschaft im Hearring Netz st\u00fctz sich auf die \u00dcberzeugung, dass eine effektive Durchf\u00fchrung von Studien im Bereich von H\u00f6rimplantaten nur im Rahmen der internationalen Kooperation und des Erfahrungsaustausch zwischen f\u00fchrenden klinischen Zentren weltweit m\u00f6glich ist.<\/strong><\/h3>\n<p>Das erste Hearring Treffen fand 2009 in Kajetany statt. Der Hearing and Structure Preservation Workshop (HSP) bildet eine Reihe wissenschaftlicher Konferenzen, die dem Thema des partiellen H\u00f6rverlustes gewidmet sind. Die erste wurde 2002 in Indianapolis abgehalten. W\u00e4hrend der Konferenz wurden die ausgezeichneten Ergebnisse nach der weltweit ersten Operation der Implantation eines Cochlea-Implantates bei einer Patientin mit partiellem H\u00f6rverlust pr\u00e4sentiert, die von Prof. Henryk Skar\u017cy\u0144ski durchgef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p>2017 war Prof. Gunesh Rajan von der University of Western Australia der Gastgeber des Treffens der Hearring Gruppe und der HSP Konferenz.<\/p>\n<p>Ein wichtiges Ereignis w\u00e4hrend des Treffens bildete das Hinzuf\u00fcgen von zwei neuen Netzmitgliedern: Universit\u00e4t Frankfurt und Universit\u00e4t Bochum. Die Universit\u00e4t Frankfurt setzt eins der gr\u00f6\u00dften Implantatprogramme in Deutschland um und die Universit\u00e4t Bochum entwickelt ein mit EU-Mitteln finanziertes Programm der Telerehabilitation. Jedes der neuen Hearring Mitglieder betreut ca. 1500 Implantattr\u00e4ger. Das Institut f\u00fcr Physiologie und Pathologie des Geh\u00f6rs betreut vergleichsweise \u00fcber 6 Tsd. Patienten mit Implantaten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Treffens in Australien wurde der 2017 erlassenen WHO-Resolution (7013) zur Pr\u00e4vention von H\u00f6rminderungen viel Platz gewidmet, die weltweit Kosten von 750 Billionen Dollar j\u00e4hrlich generieren. Die Verabschiedung der Resolution bedeutet, dass die Weltgesundheitsorganisation H\u00f6rst\u00f6rungen f\u00fcr ein globales Problem erachtet und L\u00e4nder zur Ber\u00fccksichtigung aktiver Ma\u00dfnahme zur Fr\u00fcherkennung und wirksamen Behandlung von H\u00f6rst\u00f6rungen in der Gesundheitspolitik anspornt. Die Resolution definiert die wichtigsten Bereiche von Ma\u00dfnahmen, die dieses Problem l\u00f6sen lassen sollen. Zu den wichtigsten wird das Aufbauen des Bewusstseins gez\u00e4hlt, wie sehr die H\u00f6rst\u00f6rungen die Entwicklung der modernen Gesellschaften gef\u00e4hrden. Die Resolution weist auch auf die Notwendigkeit der Ausbildung von Audiologen und HNO-Fach\u00e4rzten weltweit und Umsetzung billiger und effektiver Programme von Untersuchungen zur Fr\u00fcherkennung von H\u00f6rst\u00f6rungen hin.<\/p>\n<p>Die Verabschiedung der WHO-Resolution, zu deren Erarbeitung Hearring Zentren relevant beigetragen haben, besagt einen gro\u00dfen Fortschritt in der Pr\u00e4vention von H\u00f6rminderungen. Die vorherigen Anweisungen zum Geh\u00f6rschutz stammten aus dem Jahr 1995 und waren l\u00e4ngst nicht mehr aktuell. Denn seit 1995 vollzog sich ein gigantischer Fortschritt in der Behandlung von H\u00f6rsch\u00e4den und in den Programmen der Cochlea-Implantate. Die im laufenden Jahr verabschiedete WHO-Resolution verweist auf Cochlea-Implantate als die effektivste Therapiemethode beim H\u00f6rverlust.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Treffens der Hearring Gruppe wurde Standards bei der Behandlung von Schwerh\u00f6rigkeiten viel Platz gewidmet, die systematisch von Experten aus in der Organisation vereinigten Zentren erarbeitet werden. Die bisher vorbereiteten internationalen Standards betreffen die Implantation von Cochlea-Implantaten bei geh\u00f6rlosen Erwachsenen und Kindern sowie bei erwachsenen Patienten mit partiellem H\u00f6rverlust. In der letzten Zeit wurden Richtlinien zur Implantation bei Kindern mit partiellem H\u00f6rverlust ver\u00f6ffentlicht. Aktuell werden nun Standards zur Anwendung von Implantaten beim einseitigen H\u00f6rverlust erarbeitet, auch unter Beteiligung von Spezialisten vom Institut f\u00fcr Physiologie und Pathologie des Geh\u00f6rs.<\/p>\n<p>Die Erarbeitung von Standards bildet einen Bereich, auf den immer mehr Wert gelegt wird. Die internationalen Richtlinien, die durch die weltweit besten medizinischen Zentren ver\u00f6ffentlicht werden, dienen vor allem neuen Zentren, die ihre Erfahrung in der Behandlung von H\u00f6rsch\u00e4den erst sammeln.<\/p>\n<p>Das Institut \u00fcbt die Rolle des Leaders der Arbeitsgruppe im Rahmen von Hearring aus, die f\u00fcr die Anpassung von Kriterien der Bestimmung der Behinderung bei schwerh\u00f6rigen und geh\u00f6rlosen Personen an die durch die WHO erlassene Internationale Klassifikation der Funktionsf\u00e4higkeit, Behinderung und Gesundheit (International Classification of Functioning, Disability and Health; ICF) bestellt wurde. Gem\u00e4\u00df ICF wird die Behinderung nicht nur anhand des Gesundheitsschadens bestimmt sondern auch auf Barrieren bezogen, auf die die jeweilige Person im Zusammenhang mit ihrem Gesundheitsschaden in ihrer Umgebung st\u00f6\u00dft. Das Konzept unterscheidet sich radikal von dem geltenden, nach dem die Behinderung ausschlie\u00dflich entsprechend dem Gesundheitszustand festgelegt wird. Den Zweck der H\u00f6rbehandlung und -rehabilitation bildet aktuell die Minimierung der mit den H\u00f6rst\u00f6rungen verbundenen Behinderung. Dank dem technologischen und medizinischen Fortschritt kann eine geh\u00f6rlose Person genauso gut wie eine normal h\u00f6rende funktionieren. Gem\u00e4\u00df der neuen Klassifikation ist eine Person, die dank dem Implantat h\u00f6rt, keine behinderte Person mehr, obgleich sie weiterhin taub ist.<\/p>\n<p>Das Schl\u00fcsselthema der HSP Konferenz bildete die Erhaltung von pr\u00e4operativen H\u00f6rresten nach der Implantation. W\u00e4hrend eines Podiumsgespr\u00e4ches pr\u00e4sentierte Univ.-Prof. Piotr Skar\u017cy\u0144ski Ergebnisse, die auf eine sehr gute Erhaltung von pr\u00e4operativen H\u00f6rresten bei Patienten mit partiellem H\u00f6rverlust auch \u00fcber zehn Jahre nach der Implantation hinweisen. Das Institut f\u00fcr Physiologie und Pathologie des Geh\u00f6rs ist das weltweit einzige Zentrum, das solche Ergebnisse f\u00fcr eine derart gro\u00dfe Patientengruppe dokumentiert hat. Viele Weltzentren beziehen ihre Angaben auf die, die im Weltzentrum f\u00fcr Geh\u00f6r bei Patienten erzielt werden konnten, die nach der von Prof. Henryk Skar\u017cy\u0144ski entwickelten chirurgischen Methode operiert wurden. Die sog. polnische Schule der Ohrchirurgie \u2013 worauf ausdr\u00fccklich w\u00e4hrend des diesj\u00e4hrigen Treffens hingewiesen wurde \u2013 ist in der Medizin anerkannt und global identifizierbar. Die von Prof. Henryk Skar\u017cy\u0144ski entwickelte chirurgische Technik lernte u.a. der Gastgeber des Treffens, Prof. Gunesh Rajan. Er lernte am meisten \u2013 wie er selbst betonte \u2013 eben im Rahmen der Schulung in Kajetany, an der er vor vielen Jahren als Spezialist teilnahm, der sich erst dem Implantatprogramm anschloss. Prof. Rajan bedankte sich damit bei Prof. Skar\u017cy\u0144ski f\u00fcr die Freundlichkeit, mit der er im Institut f\u00fcr Physiologie und Pathologie des Geh\u00f6rs empfangen wurde, und f\u00fcr die erhaltene Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>Im klinischen Teil des Treffens pr\u00e4sentierte Univ.-Prof. Piotr Skar\u017cy\u0144ski das neue Knochenleitungssystem, das sog. ADHEAR-System. Viel Platz wurde u.a. der Anwendung von Hirnstamm-Implantaten gewidmet. Dar\u00fcber hinaus wurde betont, dass bei der Beurteilung des Therapieerfolgs nicht nur die H\u00f6rbesserung bzw. Besserung des Sprachverstehens, sondern auch \u2013 insbesondere bei \u00e4lteren Personen \u2013 die Beurteilung der kognitiven Funktionen, deren Beeintr\u00e4chtigung mit der Schwerh\u00f6rigkeit verbunden sein kann, und Ergebnisse der Tests zur Lebensqualit\u00e4t ber\u00fccksichtigt werden sollen.<\/p>\n<p>Eins der interessantesten Themen war die sog. latente Schwerh\u00f6rigkeit. Der H\u00f6rst\u00f6rung schenken Spezialisten in der letzten Zeit viel Aufmerksamkeit. Denn es hat sich herausgestellt, dass der H\u00f6rschaden durch L\u00e4rm das Tonaudiogramm nicht beeinflussen muss. In manchen F\u00e4llen bleibt der Befund unauff\u00e4llig, obwohl der Patient Probleme mit dem Sprachverstehen hat. Bisher wurde die Erscheinung haupts\u00e4chlich mit St\u00f6rungen der zentralen Verarbeitung in Verbindung gesetzt. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass das Problem auch durch Sch\u00e4digung von Neuronengruppen verursacht werden kann, die auf die Weiterleitung von Informationen \u00fcber lautere T\u00f6ne ins Gehirn spezialisiert sind. Wenn es durch L\u00e4rm zur Sch\u00e4digung dieser Leitungskan\u00e4le kommt, bleibt die H\u00f6rsensibilit\u00e4t unver\u00e4ndert. Wenn das Signal jedoch wie beim Sprechen auf H\u00f6rkomfortniveau intensiver wird, so bekommt das Gehirn deutlich weniger Informationen, was das H\u00f6ren erschwert. Deshalb haben manche Patienten mit einem unauff\u00e4lligen Tonaudiogrammbefund H\u00f6rprobleme.<\/p>\n<p>Die University of Western Australia war der ideale Ort f\u00fcr das Treffen, auf dem nicht nur Berichte \u00fcber Behandlung von H\u00f6rsch\u00e4den und Methoden der Pr\u00e4vention von H\u00f6rminderungen auf der Welt besprochen wurden, sondern auch auf die Notwendigkeit des Aufbauens des Bewusstseins hingewiesen wurde, wie sehr H\u00f6rst\u00f6rungen die Entwicklung der modernen Gesellschaften gef\u00e4hrden. \u00c4hnliche Vorhaben f\u00fcgen sich ausgezeichnet in die Geschichte des Zentrums ein. Die University of Western Australia entstand 1911 aus der Initiative der Einwohner von Westaustraliens, die Anfang des 20. Jahrhunderts praktisch keinen Zugang zur \u00e4rztlichen Pflege hatten. Die Gr\u00fcndung des Zentrums sollte zur L\u00f6sung gesundheitlicher Probleme der lokalen Bev\u00f6lkerung beitragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hearring ist ein Netz internationaler Zentren, die die gr\u00f6\u00dfte Erfahrung in der Implantation haben und die h\u00f6chste Anzahl von Implantattr\u00e4gern betreuen. 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