{"id":17197,"date":"2016-06-06T08:00:02","date_gmt":"2016-06-06T08:00:02","guid":{"rendered":"https:\/\/henrykskarzynski.pl\/?p=17197"},"modified":"2018-03-28T20:26:38","modified_gmt":"2018-03-28T20:26:38","slug":"14th-international-conference-on-cochlear-implants-and-other-implantable-auditory-technologies","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/henrykskarzynski.pl\/?p=17197&lang=de","title":{"rendered":"14th International Conference on Cochlear Implants and Other Implantable Auditory Technologies"},"content":{"rendered":"<h3>Die jede zwei Jahre stattfindende Internationale Konferenz \u00fcber Cochlea-Implantate und andere implantierbare audiologische Technologien stellt eine Reihe wissenschaftlicher Prestigetreffen dar, die nicht nur den Fragen der H\u00f6rimplantate, sondern auch der Rehabilitation und Betreuung von Personen mit H\u00f6rst\u00f6rungen gewidmet sind. Das diesj\u00e4hrige Treffen in Toronto wurde durch die Amerikanische Gesellschaft f\u00fcr Cochlea-Implantate (American Cochlear Implant Alliance, ACI) in Zusammenarbeit mit der Universit\u00e4t Toronto veranstaltet.<\/h3>\n<p>Das Hauptthema der Konferenz bildete die Anwendung von H\u00f6rimplantaten, insbesondere von Cochlea-Implantaten bei einseitigem H\u00f6rverlust. Personen mit einseitigem H\u00f6rverlust stellen eine neue, relativ gro\u00dfe Gruppe von Patienten dar, die noch bis vor kurzem als Kandidaten f\u00fcr die Implantation eines Cochlea-Implantates nicht in Frage kamen. Aktuell gibt es immer mehr Berichte aus verschiedenen Zentren weltweit (haupts\u00e4chlich aus Europa, wo die Behandlungsmethode seit einigen Jahren eingesetzt wird), die die Vorteile der Implantation bei dieser Patientengruppe nachweisen, insbesondere bei Patienten mit einseitigem H\u00f6rverlust und l\u00e4sstigem Tinnitus. Der Tinnitus bildet eine zus\u00e4tzliche Indikation f\u00fcr die Anwendung der elektrischen Stimulation, die &#8211; wie die Ergebnisse der wissenschaftlichen Studien und klinischen Erfahrungen zeigen &#8211; ihre Habituation f\u00f6rdern. In den Vereinigten Staaten wird das Programm der Implantation von Implantaten bei einseitigem H\u00f6rverlust erst gestartet, denn die Federal Drug Administration (staatliche Agentur zur Pr\u00fcfung von Lebens-, Arznei- und Nahrungserg\u00e4nzungsmitteln und medizinischen Ger\u00e4ten) pr\u00fcft erst die Prozedur vor deren Zulassung f\u00fcr die klinische Praxis. Die Amerikaner luden deshalb Wissenschaftler aus Europa, darunter aus Polen ein, ihre Erfahrung in der Behandlung von Patienten mit solchen H\u00f6rproblemen mit ihnen zu teilen.<\/p>\n<p>Personen mit einseitigem H\u00f6rverlust und Implantat in einem Ohr machen ideale Kandidaten f\u00fcr wissenschaftliche Studien zum Einfluss der elektronischen Stimulation aus. Denn nur solche Personen k\u00f6nnen das, was sie dank ihrem Implantat h\u00f6ren, mit dem normal funktionierenden Geh\u00f6r vergleichen. Das bietet eine einmalige Chance der Erweiterung des Wissens um H\u00f6rwahrnehmung bei Personen mit Cochlea-Implantaten, was zur Entwicklung neuer, wirksamerer Therapie- und Rehabilitationsmethoden beitragen kann.<\/p>\n<p>Prof. Michael Dorman von der Arizona State University in den USA wies darauf in seinem Vortrag auf Einladung w\u00e4hrend der Konferenz in Toronto hin. Seine Forschungen unter Beteiligung von Implantattr\u00e4gern mit einseitigem H\u00f6rverlust sollen bei der Erarbeitung von Simulationen helfen, die besser zeigen, wie ein Cochlea-Implantattr\u00e4ger h\u00f6rt. Denn die Ergebnisse seiner Forschungen weisen darauf hin, dass die vorher auf der Grundlage der Kenntnisse \u00fcber die Funktion des Implantates erarbeiteten verschiedenen Simulationen einer solchen H\u00f6rweise (im Institut f\u00fcr Physiologie und Pathologie des Geh\u00f6rs entstand u.a. die Dissertation von Adam Walkowiak, die der Frage gewidmet ist) nicht ganz der Wirklichkeit entsprechen und die Tonqualit\u00e4t, die das Ger\u00e4t garantiert, nicht so schlecht ist, wie alle glaubten. Die Studien zur H\u00f6rqualit\u00e4t bei Cochlea-Implantattr\u00e4gern stellen zurzeit eine der wichtigsten Forschungsrichtungen auf diesem Gebiet dar. Es ist eine Neuheit, denn bisher konzentrierte man sich auf Fragen des Sprachverstehens und Methoden zur Verbesserung der Sprachwahrnehmung. Aktuell diskriminieren immer mehr Patienten mit Cochlea-Implantaten die Sprache nicht nur in der Stille, sondern auch im L\u00e4rm, deshalb wird ein gr\u00f6\u00dferer Wert auf die Verbesserung der &#8222;\u00c4sthetik&#8221; des wahrgenommenen Tons gelegt. Das hat eine enorme Bedeutung beim Musikh\u00f6ren. Denn die Musikwahrnehmung richtet sich nach anderen Regeln als die Wahrnehmung der Sprache, die sogar dann verst\u00e4ndlich bleibt, wenn sie sich unangenehm anh\u00f6rt. Ein Patient, der die Sprache sehr gut diskriminiert, kann Probleme mit der Wahrnehmung der Musik haben, die f\u00fcr ihn nicht sch\u00f6n und unangenehm klingt.<\/p>\n<p>Die Verbesserung des \u00e4sthetischen Eindrucks bildet somit eine weitere Barriere, die im Bereich der Cochlea-Implantate \u00fcberwunden werden muss. Wie kann das erreicht werden? Man kann versuchen, die Konstruktion des Implantates und der Elektrode zu \u00e4ndern und Techniken ihrer pr\u00e4zisen Implantation in die Cochlea, in einem optimalen Abstand von Neuronen verbessern, man kann die Strategie der Tonkodierung optimieren und nach M\u00f6glichkeit einer noch besseren Verbindung des nat\u00fcrlichen Geh\u00f6rs mit dem elektrischen bei Patienten mit partiellem H\u00f6rverlust suchen. Man kann auch spezielle Rehabilitationsprogramme erarbeiten, die die Plastizit\u00e4t des Gehirns nutzen und dadurch zur Steigerung der Qualit\u00e4t der wahrgenommenen T\u00f6ne beitragen.<\/p>\n<p>Mit Sicherheit ist das Wissen, das sich aus den genannten Studien mit Beteiligung von Personen mit einseitigem H\u00f6rverlust ergeben kann, sehr n\u00fctzlich bei diesen Entwicklungsvorhaben. Sie werden auch im Institut f\u00fcr Physiologie und Pathologie des Geh\u00f6rs umgesetzt, das eine der weltweit gr\u00f6\u00dften Gruppen von Patienten mit normalem Geh\u00f6r in einem und Implantat in dem anderen Ohr betreut. Auf der Konferenz in Toronto wurden Ergebnisse der bahnbrechenden Forschungen unter Beteiligung der Personen vom Dr. habil. Ing. Artur Lorens vom Labor f\u00fcr Implantate und H\u00f6rperzeption dargeboten. F\u00fcr die Patientengruppe wurde ein spezielles Rehabilitationsprogramm im Institut entwickelt, das von Mag. Dorota Pastuszak pr\u00e4sentiert wurde; in ihrem Vortrag wies sie auf die Notwendigkeit der Modifizierung von Rehabilitationsma\u00dfnahmen hin, die mit den neuen Gruppen von Implantattr\u00e4gern zusammenh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Eine neue Gruppe bilden auch Personen mit partiellem H\u00f6rverlust, die im Frequenzbereich bis 1500 Hz normal h\u00f6ren und bei denen eine elektrische Erg\u00e4nzung des nat\u00fcrlichen Geh\u00f6rs angewandt wird.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber sprach in Toronto Prof. Henryk Skar\u017cy\u0144ski, der bei der Pr\u00e4sentation der erweiterten Indikationen f\u00fcr die Implantation darauf hinwies, dass es dank den von ihm entwickelten atraumatischen Methoden der Implantation der Elektrode in die Cochlea m\u00f6glich ist, die die vorhandenen H\u00f6rreste im Niederfrequenzbereich erhalten lassen. Die Erhaltung des nat\u00fcrlichen Geh\u00f6rs in diesem Bereich nach Implantation hat eine enorme Bedeutung u.a. f\u00fcr die Musikwahrnehmung.<\/p>\n<p>Der Rolle der Musik in der Therapie von Patienten mit Implantaten wurde auf der Konferenz in Toronto besonders viel Platz gewidmet. Dr. Charles Limb von der University of California pr\u00e4sentierte in seinem Vortrag auf Einladung u.a. ein Projekt zur Erarbeitung von Musik, die an die Perzeptionsm\u00f6glichkeiten von Cochlea-Implantattr\u00e4gern angepasst w\u00e4re und Einschr\u00e4nkungen der Ton\u00fcbertragung durch diese Ger\u00e4te ber\u00fccksichtigen w\u00fcrde. Er wies auch auf die individuelle Dimension der Musikwahrnehmung hin und verglich das mit dem Weingenuss: Es gibt Personen, die derart raffinierte Geschmacksf\u00e4higkeiten haben, dass sie billigen Wein von hochqualitativem sofort erkennen; es finden sich aber auch solche, f\u00fcr die die beiden Weinsorten gleich schmecken. \u00c4hnlich ist es mit der Musikwahrnehmung.<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass nicht alle Patienten nach Implantation mit der Musikwahrnehmung zufrieden sind, ergibt sich nicht ausschlie\u00dflich aus Einschr\u00e4nkungen der Ger\u00e4te. Menschen mit musikalischer Ausbildung k\u00f6nnen sehr hohe Erwartungen in Bezug auf die Tonwahrnehmung haben, denen das Implantat einfach nicht gerecht werden kann.<\/p>\n<p>Die mit ihm \u00fcbertragene Musik kann ihnen somit keine Freude bereiten. Und anderen, weniger anspruchsvollen Personen doch. In vielen Studien zur Rehabilitation wird jedoch betont, dass das Geh\u00f6rtraining mit Musik bei Patienten nach Implantation einen g\u00fcnstigen Einfluss auf das Sprachverstehen hat.<\/p>\n<p>Prof. Warren Estabrooks aus Kanada machte auf Fragen der Rehabilitation von Erwachsenen aufmerksam, insbesondere von solchen Patienten, die ihr H\u00f6rger\u00e4t gegen ein Cochlea-Implantat ersetzten, und Personen mit einseitigem H\u00f6rverlust. Er analysierte, welche Rehabilitationsprogramme diesen Patienten in verschiedenen L\u00e4ndern angeboten werden. Es stellte sich heraus, dass nur wenige Zentren weltweit alle Patienten so betreuen, wie es im Instutut f\u00fcr Physiologie und Pathologie des Geh\u00f6rs der Fall ist.<\/p>\n<p>Auf der Tagung zur Kinderrehabilitation wurde u.a. \u00fcber Anwendung der Geb\u00e4rdensprache als Unterst\u00fctzung der Entwicklung von Sprachkompetenzen in der lautlichen Sprache diskutiert. In den USA und in Kanada, wo die sprachliche und kulturelle Besonderheit der tauben Menschen stark manifestiert wird, wird darauf gedrungen, dass Personen mit H\u00f6rsch\u00e4den, darunter auch Implantattr\u00e4ger Geb\u00e4rdensprache beherrschen. Andrea Warner-Czy\u017c von der University of Texas erforschte, ob sie tats\u00e4chlich die Rehabilitation von Kindern mit Cochlea-Implantaten f\u00f6rdert. Zwei Jahre lang beobachtete sie eine Gruppe solcher Kinder und stellte eine Verz\u00f6gerung in der Entwicklung der lautlichen Sprache bei Kindern mit Implantaten fest, die zus\u00e4tzlich auch Geb\u00e4rdensprache lernten. Wegen der kurzen Beobachtungszeit d\u00fcrfen jedoch keine voreiligen Schl\u00fcsse daraus gezogen werden. Denn es gibt diesbez\u00fcglich eine Regel, die auch normal h\u00f6rende Kinder in zweisprachigen Familien betrifft: Die Kleinsten, die zwei Sprachen beherrschen, eignen sich am Anfang langsamer Kompetenzen in den beiden Sprachen an. Mit der Zeit entwickeln sie aber \u00e4hnliche Sprachf\u00e4higkeiten wie ihre Gleichaltrigen.<\/p>\n<p>So kann es auch bei Kindern nach Implantation sein, die gleichzeitig die lautliche und die Geb\u00e4rdensprache lernen; es sind daher weitere, sorgf\u00e4ltige wissenschaftliche Studien auf diesem Gebiet notwendig.<\/p>\n<p>Mag. Ma\u0142gorzata Zgoda vom Institut f\u00fcr Physiologie und Pathologie des Geh\u00f6rs bot in Toronto Ergebnisse einer einmaligen Studie zum Einfluss sozio\u00f6konomischer Faktoren auf Schulleistungen bei Kinder nach Implantation dar. Es konnte kein Zusammenhang zwischen der finanziellen Situation und diesen Leistungen festgestellt werden; das Bildungsniveau der Eltern bzw. Aufsichtspersonen hatte jedoch einen relevanten Einfluss: Kinder von Eltern mit schlechterer Ausbildung erzielten schw\u00e4chere Schulleistungen als Kinder der M\u00fctter und V\u00e4ter mit besserer Ausbildung.<\/p>\n<p>Das bildet eine enorme Herausforderung f\u00fcr Rehabilitationsspezialisten, die die Eltern oft f\u00fcr passive Beobachter der therapeutischen Ma\u00dfnahmen erachten und vergessen, dass eine bewusste, geschulte Aufsichtsperson dem Kind die beste Unterst\u00fctzung bieten kann. Aus diesem Grund kann sich die auditiv-verbale Methode, die auch im Institut eingesetzt wird, als ein sehr wirksames Rehabilitationsverfahren erweisen, in dem der Rolle der Eltern in der Therapie des Kindes mit einem H\u00f6rschaden eine gro\u00dfe Bedeutung zugeschrieben wird.<\/p>\n<p>Auf der Internationalen Konferenz \u00fcber Cochlea-Implantate und andere implantierbare audiologische Technologien in Toronto, an der knapp 2.000 Teilnehmer beteiligt waren, wurden \u00fcber 470 Arbeiten pr\u00e4sentiert. Sie behandelten auch das Thema der Anwendung von Mittelohr-Implantaten.<\/p>\n<p>Das Institut f\u00fcr Physiologie und Pathologie des Geh\u00f6rs setzt als eins der ersten Zentren weltweit die modernsten Typen von Ger\u00e4ten in der klinischen Praxis ein. Die ausgezeichneten Ergebnisse, die im Institut erzielt werden, bot Dr. habil. Piotr H. Skar\u017cy\u0144ski dar.<\/p>\n<p>Auf der Konferenz in Toronto wurde Polen nur durch ein siebenk\u00f6pfiges Team aus Fachleuten vom Institut vertreten (Prof. Henryk Skar\u017cy\u0144ski, Dr. habil. Ing. Artur Lorens, Dr. habil. Piotr H. Skar\u017cy\u0144ski, Dr. habil. Monika O\u0142dak, Dr. Ing. Adam Walkowiak, Mag. Ma\u0142gorzata Zgoda, Mag. Dorota Pastuszak), das eine der weltweit gr\u00f6\u00dften Gruppen von Patienten mit verschiedenen H\u00f6rst\u00f6rungen nach Implantation betreut. Die von diesen Personen pr\u00e4sentierten Arbeiten spiegeln die Richtungen der neuesten Forschungen auf dem Gebiet der H\u00f6rimplantate wider.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die jede zwei Jahre stattfindende Internationale Konferenz \u00fcber Cochlea-Implantate und andere implantierbare audiologische Technologien stellt eine Reihe wissenschaftlicher Prestigetreffen dar, die nicht nur den Fragen der H\u00f6rimplantate, sondern auch der Rehabilitation und Betreuung von Personen mit H\u00f6rst\u00f6rungen gewidmet sind. 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