{"id":16281,"date":"2016-01-30T08:00:23","date_gmt":"2016-01-30T08:00:23","guid":{"rendered":"https:\/\/henrykskarzynski.pl\/?p=16281"},"modified":"2016-09-26T11:23:57","modified_gmt":"2016-09-26T11:23:57","slug":"kongress-der-tansanischen-gesellschaft-fur-hno-heilkunde-tents","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/henrykskarzynski.pl\/?p=16281&lang=de","title":{"rendered":"Kongress der Tansanischen Gesellschaft f\u00fcr HNO-Heilkunde (TENTS)"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Im November 2015 f\u00fchrte das Team des Weltzentrums f\u00fcr Geh\u00f6r das H\u00f6rscreening in Kigali in Ruanda und in Kilimandscharo in Tansania durch und nahm am Kongress der Tansanischen Gesellschaft f\u00fcr HNO-Heilkunde teil. Die an diesem Treffen beteiligten Spezialisten \u2013 HNO-Fach\u00e4rzte, Kopf- und Ohrchirurgen, Otoneurologen \u2013 vertraten die gr\u00f6\u00dften Zentren f\u00fcr HNO-Heilkunde in Tansania, u.a. Muhimbili National Hospital und Kilimanjaro Christian Medical Centre.<\/strong><\/h3>\n<p>Zu den Ehrenteilnehmern der Konferenz geh\u00f6rten Prof. Henryk Skar\u017cy\u0144ski, Dr. habil. med. Piotr Skar\u017cy\u0144ski, Prof. Gayle E. Woodson (Vereinigte Staaten), Dr. Niels Van Heerbeek (Holland), Dr. Robbins (Vereinigte Staaten). Das Weltzentrum f\u00fcr Geh\u00f6r wurde \u00fcberdies von Dipl.-Ing. Adam Pi\u0142ka, Mag. Marta Zwoli\u0144ska, Dipl.-Med. Kamila Osi\u0144ska und Ing. Aymen Mohamed Najjar vertreten.<\/p>\n<p>Die Konferenz wurde aus der Initiative von Dr. Edwin Liyombo, Leiter des Klinikums f\u00fcr HNO-Heilkunde im Muhimbili National Hospital in Dares Salaam und Pr\u00e4sidenten der Tansanischen Gesellschaft f\u00fcr HNO-Heilkunde veranstaltet, einer Organisation, dank der eine immer breitere Gruppe dortiger \u00c4rzte ihr Wissen vertiefen und ihre Qualifikation durch Teilnahme an wissenschaftlichen Konferenzen und Workshops erh\u00f6hen kann.<\/p>\n<p>Auf der Konferenz wurden die wichtigsten Themen der HNO-Heilkunde angesprochen. F\u00fcr eins der interessantesten wurde der partielle H\u00f6rverlust erkl\u00e4rt. \u00dcber M\u00f6glichkeiten ihrer chirurgischen Behandlung mit der Methode der sechs Schritte von Prof. Henryk Skar\u017cy\u0144ski und H\u00f6rergebnisse bei verschiedenen Patientengruppen nach Implantation eines Cochlea-Implantates berichtete Dr. habil. med. Piotr H. Skar\u017cy\u0144ski in seinem Vortrag. In einer weiteren Pr\u00e4sentation stellte er das Konzept des H\u00f6rscreenings mit der Plattform f\u00fcr die Untersuchung der Sinne dar. Dr. habil. Skar\u017cy\u0144ski berichtete \u00fcber Ergebnisse einer Studie, die von Experten aus dem Institut in 12 L\u00e4ndern (in Europa, Asien und Afrika) durchgef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p>Das Institut f\u00fcr Physiologie und Pathologie des Geh\u00f6rs ist eins der am h\u00f6chsten spezialisierten Zentren im Bereich der Cochlea-Implantate. Deshalb h\u00f6rten die Spezialisten dem Vortrag von Marta Zwoli\u0144ska und Ing. Aymen Mohamed Najjar aus Tansania zum Thema Teleaudiologie, Telefitting und Fernrehabilitation des Geh\u00f6rs, die f\u00fcr die Effektivit\u00e4t der Behandlung tiefer H\u00f6rsch\u00e4den entscheidend ist, mit gro\u00dfem Interesse zu. Die innovativen Methoden k\u00f6nnen auch in Tansania Anwendung finden: Das Internet ist dort zug\u00e4nglich, und die Daten\u00fcbertragungsrate steigt systematisch. Durch den Einsatz telemedizinischer L\u00f6sungen in Afrika w\u00e4re es u.a. m\u00f6glich, dortige Patienten mit komplizierten HNO-Erkrankungen in Kajetany zu beraten und Fernschulungen f\u00fcr \u00c4rzte im Rahmen der durch das Institut veranstalteten Kurse anzubieten.<\/p>\n<p>Dr. Kamila Osi\u0144ska vom Institut legte das Problem der perinatalen Ursachen der Schwerh\u00f6rigkeit in ihrem Vortrag dar. Dem Bericht der Weltgesundheitsorganisation zufolge tritt eine tiefe Schwerh\u00f6rigkeit bei 1 bis 3 Kindern pro tausend auf. In der Gruppe von Neugeborenen, die in der neonatologischen Station behandelt werden, sind die ernsten H\u00f6rsch\u00e4den h\u00e4ufiger: 2 bis 4 Kinder pro tausend haben sie. Wie es sich aus einer im Institut durchgef\u00fchrten statistischen Analyse ergibt, bilden Fr\u00fchgeborene, die zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche zur Welt kamen, die gr\u00f6\u00dfte Gruppe der Patienten, bei denen Cochlea-Implantate implantiert werden. Zu den h\u00e4ufigsten Risikofaktoren der tiefen Schwerh\u00f6rigkeit z\u00e4hlen perinatale Asphyxie, ototoxische Medikamente, Beatmungstherapie mit einem Beatmungsger\u00e4t, intrauterine Infektionen, Hyperbilirubin\u00e4mie.<\/p>\n<p>Dr. Osi\u0144ska wies darauf hin, dass es bei der Qualifikation der j\u00fcngsten Patienten f\u00fcr die Implantation eines Cochlea-Implantates h\u00f6chste Vorsicht geboten ist. Denn die Unreife anderer Systeme kann eine Kontraindikation f\u00fcr einen Eingriff unter Vollnarkose bilden.<\/p>\n<p>Auf dem Kongress der Tansanischen Gesellschaft f\u00fcr HNO-Heilkunde wurden auch die neuesten Leistungen auf dem Gebiet der Behandlung von H\u00f6rst\u00f6rungen mit einem Baha\u00a0Attract Knochenleitungsger\u00e4t pr\u00e4sentiert. Es ist eine wirksame Behandlungsmethode bei Schallleitungsschwerh\u00f6rigkeit, leichter Schallleitungs-Schallempfindungsschwerh\u00f6rigkeit und einseitiger Taubheit. Oft bildet es die endg\u00fcltige Behandlungsmethode bei fortgeschrittenen Ver\u00e4nderungen im Ohr, u.a. bei chronischer Mittelohrentz\u00fcndung beim Cholesteatom.<\/p>\n<p>Das System garantiert eine sichere Verbesserung des Sprachverstehens, ist leicht in der Anwendung und \u2013 wie w\u00e4hrend einer l\u00e4ngeren postoperativen Beobachtung festgestellt werden konnte \u2013 l\u00e4sst Patienten immer bessere H\u00f6rergebnisse erreichen. Ergebnisse der \u00dcberwachung einer gro\u00dfen Gruppe von Patienten weisen darauf hin, dass das Verfahren eine wirksame Methode der Behandlung von Schwerh\u00f6rigkeiten bei extrem fortgeschrittenen postinflammatorischen, postoperativen Ver\u00e4nderungen oder angeborenen Mittel- und Innenohrsch\u00e4den ist.<\/p>\n<p>Die auf dem Kongress in Tansania gehaltenen Vortr\u00e4ge bezogen sich au\u00dferdem auf M\u00f6glichkeiten der Behandlung von Kopf- und Halstumoren. Ein besonderer Wert wurde auf chirurgische Techniken und Schritte gelegt, die die h\u00e4ufigsten Komplikationen nach onkologischen Operationen vermeiden lassen. Professor Mark Zafereo von der University of Texas beleuchtete die Haupttypen von Erkrankungen der Speicheldr\u00fcse und M\u00f6glichkeiten der Behandlung des Larynx- und Hypopharynxkarzinoms. Professorin Gayle E. Woodson von der Southern Illinois University School of Medicine in Springfield sprach das Thema einer der h\u00e4ufigsten Komplikationen in der Chirurgie der Schilddr\u00fcse an: Stimmbandl\u00e4hmung, ihre Ursachen und M\u00f6glichkeiten der Behandlung.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Aufenthalts in Afrika f\u00fchrte das Team des Weltzentrums f\u00fcr Geh\u00f6r zwei Tage lang das H\u00f6rscreening bei Kindern im Schulalter durch. Dank diesen Untersuchungen kann die H\u00e4ufigkeit der Schwerh\u00f6rigkeit in Tansania und Ruanda mit der in anderen afrikanischen, asiatischen und europ\u00e4ischen L\u00e4ndern verglichen werden. Die Arbeit unserer Spezialisten sto\u00df auf positive Reaktionen bei der lokalen Bev\u00f6lkerung. H\u00e4ufig wurde betont, dass die lokalen Fach\u00e4rzte das H\u00f6rscreening durchf\u00fchren wollten.<\/p>\n<p>Einzelfragen bezogen sich auf angewandte Ger\u00e4te, Untersuchungstechniken und die einzelnen diagnostischen Schritte in der Erkennung der Schwerh\u00f6rigkeit und dann in der Therapie.<\/p>\n<p>Das erste H\u00f6rscreening wurde in Kigali in Ruanda in zwei von Pallottinerinnen geleiteten Schulen durchgef\u00fchrt. Es wurden 195 Patienten im Alter zwischen 4 und 20 Jahren untersucht, wobei die meisten Kinder von 6 bis 11 Jahre alt waren. Die Untersuchungen erfolgten unter Anwendung eines Videootoskops, der Reintonaudiometrie, der Plattform f\u00fcr die Untersuchung der Sinne und der otoakustischen Emissionen. Es wurden 40 Proz. auff\u00e4lliger Befunde (otoakustische Emissionen bzw. Reintonaudiometrie) f\u00fcr mindestens ein Ohr und 44 Proz. auff\u00e4lliger Befunde der Videootoskopie festgestellt. Die h\u00e4ufigsten Ohrprobleme waren: Zeruminalpfropf, Verwachsungen, Tympanosklerose, Retraktionstaschen und Trommelfellperforationen. Bei einem Patienten wurde beidseitige chronische Mittelohrentz\u00fcndung mit Eitersekret diagnostiziert, die einer unverz\u00fcglichen Behandlung bedurfte.<\/p>\n<p>Das n\u00e4chste H\u00f6rscreening wurde in einer Grundschule in Moshi in Tansania durchgef\u00fchrt. Es wurden 200 Patienten im Alter zwischen 5 und 11 Jahren untersucht, wobei die meisten Kinder von 6 bis 8 Jahre alt waren. Der Umfang des Screenings war \u00e4hnlich wie in Kigali. Es wurden 41 Proz. auff\u00e4lliger Befunde der H\u00f6runtersuchung f\u00fcr mindestens ein Ohr und 59 Proz. auff\u00e4lliger Befunde der Videootoskopie festgestellt.<\/p>\n<p>Die h\u00e4ufigsten Diagnosen waren: Zeruminalpfropf, Verwachsungen, Tympanosklerose, unterschiedlich fortgeschrittene Atelektasen, sekretorische Mittelohrentz\u00fcndung, auff\u00e4llige Anatomie des Mittel- und Innenohrs. Es wurden zwei F\u00e4lle einer akuten Mittelohrentz\u00fcndung diagnostiziert. Bei einem der untersuchten Kinder wurde eine chronische Entz\u00fcndung festgestellt, weshalb das Kind f\u00fcr die Behandlung in ein lokales Zentrum eingewiesen wurde.<\/p>\n<p>Wie die Spezialisten aus Moshi angeben, stellt eine akute Ohrentz\u00fcndung eine der h\u00e4ufigsten Erkrankungen bei Kindern in Tansania dar. Das weisen zahlreiche postinflammatorische Ver\u00e4nderungen nach, die in der Videootoskopie beobachtet wurden.<\/p>\n<p>Im Rahmen des H\u00f6rscreenings wurden keine akuten Ohrentz\u00fcndungen bzw. sekretorischen Ver\u00e4nderungen festgestellt, was mit der Jahreszeit zusammenh\u00e4ngt. Die Untersuchungen wurden am Anfang der Regenzeit (&#8222;short rains&#8221;), d.i. vor der Zeit der gr\u00f6\u00dften H\u00e4ufigkeit der Infektionen der oberen Atemwege durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die statistische Analyse der Ergebnisse des H\u00f6rscreenings in Ruanda und Tansania weist auf relevante Probleme im Bereich der Erkennung und Behandlung der Schwerh\u00f6rigkeit bei Kindern hin. Die positive Einstellung der lokalen Spezialisten und ein gro\u00dfer Schulungsbedarf in Bezug auf Audiologie und Ohrchirurgie lassen hoffen, dass eine breite und langj\u00e4hrige Zusammenarbeit zwischen Fachleuten aus Kajetany und Afrika aufgenommen werden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im November 2015 f\u00fchrte das Team des Weltzentrums f\u00fcr Geh\u00f6r das H\u00f6rscreening in Kigali in Ruanda und in Kilimandscharo in Tansania durch und nahm am Kongress der Tansanischen Gesellschaft f\u00fcr HNO-Heilkunde teil. 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