Neue Generation von Cochlea-Implantaten – das neue Gesicht der Telemedizin

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Neue Generation von Cochlea-Implantaten – das neue Gesicht der Telemedizin

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Neue Generation von Cochlea-Implantaten – das neue Gesicht der Telemedizin

Im World Hearing Centre des Instituts für Physiologie und Pathologie des Gehörs in Kajetany hat Prof. Henryk Skarżyński – zum ersten Mal in Polen – ein Hörimplantat des Typs HiRes Ultra 3D Cochlear Implantat, das in der Hassle-Free-MRI-Technologie hergestellt wird, implantiert. Dieses Implantat ist in erster Linie für ältere Menschen bestimmt. Dank diesem Implantat können Patienten Magnetresonanzuntersuchungen in einem 3T-Induktionsfeld, die die Grundlage der modernen bildgebenden Diagnostik bilden, unterzogen werden. Die Operation wurde während einer Pressekonferenz, die am 18. Dezember um 14:00 Uhr in der polnischen Presseagentur organisiert wurde, live übertragen.

Das Altern des menschlichen Körpers ist ein unvermeidlicher, irreversibler und ständig fortschreitender Prozess. Es betrifft den gesamten Organismus ausnahmslos. Das Hörorgan bleibt dabei auch nicht verschont, was Ursache verschiedenartiger Hörprobleme ist. Im Alter sind Hörprobleme häufig: 75% Menschen über 70 leiden an Schwerhörigkeit unterschiedlichen Grades, was Einfluss auf die alltägliche Verständigung mit ihrer Umgebung hat. Hörstörungen sind daher ein großes soziales Problem, das auch mit Schamgefühl und dem Unwillen oder dem Unvermögen, z.B. ein Hörgerät zu tragen, einhergeht. Die Behandlung von Senioren ist daher eine große Herausforderung für die Wissenschaft und die Medizin.
Heute können wir mit Sicherheit sagen, dass moderne chirurgische und technologische Methoden es uns ermöglichen, fast jedem Patienten mit Schwerhörigkeit zu helfen, unabhängig davon, was die Ursache des Hördefizites ist: Außen-, Mittel- bzw. Innenohrschaden.
Um die Leistungsfähigkeit und Selbständigkeit von Senioren aufrecht zu erhalten, ist Verständigungsfähigkeit, die überwiegend vom Gehörzustand abhängt, von großer Bedeutung. Bei älteren Menschen sind Hörstörungen, neben kognitiven Beeinträchtigungen, ein der zwei wichtigsten Faktoren, die Einfluss auf Kommunikationsfähigkeit mit der Umgebung haben und im Extremfall zu sozialer Isolierung führen.

„Senioren sind eine Patientengruppe, für die neue Möglichkeiten dieser Implantatengeneration besonders wichtig sind. Jeder Patient mit einem Implantat kann sich irgendwann einmal in einer Situation befinden, bei der, z.B. wegen Tumorverdacht, bei Verletzung oder immer häufiger aufzutretenden Gefäßläsionen im Kopfbereich, eine MRT-Untersuchung äußerst notwendig sein wird,“ sagt Prof. Henryk Skarżyński. „HiRes-Ultra-3D-Implantate bestehen aus vier rotierenden zylindrischen Magneten, die von einem Drehschild umgeben sind, das ihnen eine dreidimensionale Arbeit im Magnetfeld, das bei MRTs verwendet wird, ermöglicht. Dank dem neuartigen Implantat werden diese Untersuchungen ohne vorangehenden chirurgischen Eingriff, bei dem ein Teil des Implantats entfernt werden muss, möglich sein. Dieses Verfahren auszuschließen, erspart den Patienten sowohl Leid, als auch zusätzlichen Stress, ob das Gerät danach wieder richtig funktioniert. Darüber hinaus wird es die Behandlungskosten, die mit der Notwendigkeit einer chirurgischen Entfernung des Magneten verbunden sind, senken“ betont Prof. Skarżyński.

Die ersten Patienten in Polen, bei denen Professor Skarżyński ein HiRes-Ultra- 3D-Implantat eingesetzt hat, sind Frau Małgorzata und Herr Kazimierz. Frau Małgorzata verlor ihr Gehör vor mehr als 3,5 Jahren. Sie erinnert sich, es sei plötzlich passiert, als ob jemand das Licht ausgeschaltet hätte.

„Es ist sehr belastend im Alltag“, sagte Frau Małgorzata vor dem Eingriff. „Bei einer Autofahrt höre ich nicht, was der Beifahrer sagt, ich höre keine Fahrgeräusche. Ich kann keinen klingelnden Telefonapparat finden. Jeden Tag befinde ich mich in einer sehr unbequemen Situation, da ich mehrmals nachfragen muss, was Leute um mich herum gesagt haben. Nach der Behandlung möchte ich wieder alles hören können,“ fügt die Patientin mit einem Lächeln hinzu.

Auch Herr Kazimierz setzt in das Verfahren große Hoffnung. Sein Gehör verschlechterte sich seit 10 Jahren allmählich.
„Die Schwerhörigkeit hat mich bei meinem Familienleben sehr gestört. Meine Verwandten fühlten sich vom häufigen Nachfragen bzw. dem zu lautem Musikhören äußerst belästigt,“ sagte Herr Kazimierz vor der Operation. „Ich kann am kulturellen Leben nicht teilnehmen, und davor habe ich häufig Theateraufführungen besucht. Mein größtes Problem ist es, dass ich mich beruflich bei dem Polnischen Ingenieur- und Mechanikerverein nicht beweisen kann. Ich vertraue darauf, dass ich nach der Operation meine beruflichen Aufgaben voll und ganz wiederaufnehmen, an Treffen, Konferenzen und Vorstandssitzungen des Vereins wiederteilnehmen kann,“ – fügt Herr Kazimierz hinzu.

Sobald wir berücksichtigen, dass in einer alternden Gesellschaft der Anteil an Schwerhörigen wächst, merken wir, dass jede derartige neue Lösung im Bereich der Otochirurgie sehr wichtig ist. Das bedeutet nämlich, dass die Anzahl der Implantatträger zunehmen wird. Bereits jetzt werden vom Institut für Physiologie und Pathologie des Gehörs mehr als 8.000 Menschen mit unterschiedlichen Schwerhörigkeitsgraden, bei denen Cochlea-Implantate eingesetzt worden sind, betreut: es ist weltweit die größte Patientengruppe mit Hörstörungen, die in einer Einrichtung operiert worden ist.

Das Behandlungsprogramm der teilweisen Gehörlosigkeit nahm am Institut für Physiologie und Pathologie des Gehörs bereits 2002 seinen Anfang. Damals führte Prof. Henryk Skarżyński die weltweit erste Cochlea-Implantation bei einer teilweise tauben Patientin durch. Vor der Operation verstand sie etwa 10-11% der Geräusche, die sie erreichten. Das Implantat stellte ihr Sprachverständnis zu 100% wieder her. 2004 führte Prof. Skarżyński dieselbe Operation zum ersten Mal weltweit bei einem Kind mit teilweiser Gehörlosigkeit durch. Diese Eingriffe wurden zum Meilenstein der Otochirurgie. Ihre Ergebnisse waren der Nachweis, dass der Einsatz eines Implantates die Schwerhörigkeit im Bereich hoher bzw. hoher und mittlerer Frequenzen eliminiert und dabei die Fähigkeit natürlich in den niedrigen Frequenzbereichen zu hören aufrechterhält. „Eine elektrische Ergänzung zum eigenen Gehör oder elektrisch-natürliches Gehör sind heute unsere Marke in der modernen Medizin,“ sagt Prof. Henryk Skarżyński.

Das Institut für Physiologie und Pathologie des Gehörs ist heute das größte Zentrum für HNO-Heilkunde in Polen, das seit 15 Jahren die meisten chirurgischen Eingriffe zur Verbesserung des Hörvermögens weltweit durchführt. Das World Hearing Centre, das unter seinem Schild eröffnet wurde, ist bereits eine globale Marke und eine Visitenkarte in diesem Bereich. Die polnischen Patienten haben hier als erste landesweit bzw. einige der ersten weltweit Zugang zu den neuesten Technologien. Zusätzlich wurde im Institut das erste weltweit Nationale Teleaudiologie-Netzwerk gegründet und in Betrieb genommen, das Telekonsultationen mit Patienten und Fachärzten aus mehreren Zentren gleichzeitig, Fernrehabilitation und das Telefitting, d.h. die Fernparametrierung von Sprachprozessoren bei Patienten mit unterschiedlichen Hörimplantaten, ermöglicht.

Die IFPS-Fachärzte sorgen für ca. 200.000 medizinische Beratungen und führen ca. 18.000-20.000 chirurgische Eingriffe durch. Alle am Institut umgesetzten Forschungs- und Wissenschaftsprojekte zielen in erster Linie auf die Verbesserung vom Leben und der Gesundheit der Gesellschaft ab.

In den über 20 Jahren seit der IFPS-Gründung haben es seine Mitarbeiter geschafft, Ansehen als Fachärzte im Bereich der HNO-Heilkunde zu erlangen: aus den Forschungsergebnissen des Instituts schöpfen andere medizinischen Einrichtungen im In- und Ausland. Im Rahmen eines speziellen internationalen Schulungszyklus Window Approach Workshop (WAW) – 38 Editionen, der Cochlear Academy sowie der Otochirurgischen Akademie, kommen Fachärzte aus der ganzen Welt zum Institut, um an Schauoperationen und Schulungen teilzunehmen. Insgesamt wurden mehr als 1000 Operationen in Kajetany direkt von mehr als 4.000 Fachärzten, Chefärzten und Professoren aus allen Kontinenten beobachtet. Die seit 2008 vom Prof. Henryk Skarżyński durchgeführten und im Internet beim LION (Live International Otolaryngology Network) liveübertragenen Operationen wurden weltweit von einigen Dutzend Tausend Menschen beobachtet, und Videos davon sind weiterhin für Auszubildende zugänglich.
Die Möglichkeiten der Telemedizin zeigen, dass unterschiedliche diagnostische Untersuchungen erfolgreich durchgeführt werden können. Dank der Telemedizin werden auf vier Kontinenten bahnbrechende Screening-Programme zur Früherkennung von Hörstörungen durchgeführt.